Erstmalig in Deutsch: Stevensons Roman »Prince Otto«.

Coverbild Intrigen am ThronDer Roman »Prince Otto« von Robert Louis Stevenson, der auch die bekannten Klassiker »Die Schatzinsel« und »Dr. Jekill und Mr. Hyde« schrieb, wurde jetzt zum ersten Mal ins Deutsche übersetzt und unter dem Titel »Intrigen am Thron« herausgegeben.

Was macht dieses Buch so außergewöhnlich?

Stevensons zweiter Roman, 1885 erschienen, ist im Gegensatz zur Schatzinsel nicht für die Jugend geschrieben, sondern für ein durchaus anspruchsvolles Publikum. Der Roman erzählt von jungen deutschen Adligen, dem leichtfertigen Prinzen Otto und seiner Frau, der ehrgeizigen Prinzessin Seraphina, die in ihren Rollen als Staatsoberhäupter des Fürstentums Grünewald dabei sind, sich gefühlsmäßig zu verwirren und auseinanderzuleben. Sie werden in ein Gespinst aus Hofintrigen, dem Ringen um Macht, Verrat und Hinterlist verwickelt.

Das politische Umfeld lässt sich unschwer als das der deutschen Revolution von 1848/1849 ausmachen. Es war eine Zeit des Umbruchs. Auch im Fürstentum Grünewald, das unter der eisernen Faust des Premierministers Gondremark stand, braute sich für den Adel das Unheil als Folge der bürgerlich-liberalen und revolutionären Strömungen zusammen.

Das Werk zieht den Leser in seinen Bann durch die unausgesprochenen Fragen, wie die beiden jungen Adligen mit dem drohenden Unheil fertig werden, welches Schicksal sie erleiden werden, und ob es ihnen gelingen wird, wieder zueinander zu finden.

Auch heute ist wieder so eine Zeit des Umbruchs, diesmal nicht in Deutschland oder Europa, sondern in der arabischen Welt. Genauso wie vor mehr als 150 Jahren geht es um die Ablösung undemokratischer Staatsoberhäupter durch demokratischere Strukturen und die Teilhabe der Bürger an der Macht. Und so erkennt man in Stevensons Werk ein zeitloses Muster der wiederkehrenden gleichen Konflikte und ihre möglichen Lösungen.

Die wunderschönen Formulierungen der alten Sprache sind erhalten geblieben und dank der neuen Übersetzung in eine für unsere Zeit angemessene Form gebracht worden. Hier nur eine kleine Textprobe aus einer Szene, in welcher Gondremark versucht, die Prinzessin zu manipulieren:

»Und dieses unglückliche Land, seiner Aufgabe verpflichtet, und dem Leben der Menschen und der Ehre der Frauen …«. Seine Stimme schien ihm zu versagen. Einen Augenblick später hatte er seinen Gefühlsausbruch überwunden und er fuhr fort. »Aber Sie, Madame, stellen sich würdiger Ihrer Verantwortung. In Gedanken bin ich bei Ihnen. Und angesichts der Schrecken, die ich kommen sehe, sage ich, und Ihr Herz wiederholt es – wir sind zu weit gegangen, um noch innezuhalten. Ehre, Pflicht, ja und die Sorge um unser eigenes Leben, verlangen, dass wir fortfahren …« (S. 82).

Die Kommentare zur englischen Ausgabe lesen sich in deutscher Übersetzung so:

  • Die Geschichte ist lebendig und wunderschön erzählt (Tom Nelson).
  • Eine Freude, sie zu lesen (Fraeden).
  • Ich würde daraus einen Film machen (Gordon A. FitzGerald).

Neben einer schönen Ausstattung mit Initialen am Kapitelbeginn, Ornamenten auf jeder Seite und drei Reproduktionen alter Gemälde im Text, besticht das Buch durch den zweispaltigen Textspiegel, der sich besonders leicht lesen lässt. So wird das Anfassen und Aufklappen dieses Buchs bereits zu einem sinnlichen Vergnügen und das Lesen zu einem geistigen Genuss.

Der vollständige Titel lautet:

Intrigen am Thron: Deutsche Ausgabe von “Prince Otto” – Roman über Intrigen, Ringen um Macht, Verrat, Hinterlist und wahre Liebe
Von Robert Louis Stevenson und Klaus-Dieter Sedlacek.
ISBN 978-3-8482-0065-8, Paperback, 168 Seiten.

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